Ronja Räubertochter, General-Anzeiger, Bonn 2017

Der wunderbare Opernabend lebt von der Musik, der opulenten Bühne und von Anna Holter herrlich choreographierten Tanzeinlagen

Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte, Michael S. Zerban, Opernnetz.de 2015

... zeigt (die Choreographin) Anna Holter mit ihren Tänzerinnen und Tänzern mal, was da eigentlich alles geht. Vor allem der große Freudentanz gegen Ende ist ein Feuerwerk choreografischer Möglichkeiten, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte, Anke Horstmeier, WAZ 2014

glänzende Solisten, Chor, Ballett, Bühnenmusik - 90 Minuten voller überraschender Wendungen, ein Wechselbad der Gefühle, mit Fantasie und Tempo, Witz und Romantik (..) Jedes Bild ein Traum: Vom Fischballett bis hin zum Mond

Die Entführung aus dem Serail für Kinder, Christa Dietrich, Vorarlberger Nachrichten 2013

..holte aus einem kleinen Ensemble einen klaren Mozartklang heraus Johannes Schmids Regie und Anna Holter Choreographie haben die Handlung poesievoll akzentuiert, mit der sich junge Sänger in der Fassung von Alexander Krampe bewähren können. Absolut nachahmenswert!"

Die Entführung aus dem Serail für Kinder, Hanna Pfaffenwimmer, Salzburger Nachrichten, 2013

Die Kinder waren in der Premiere am Wochenende in der Universitätsaula kaum auf ihren Sitzplätzen zu halten, so angetan waren sie

Münchner Abendzeitung - 17./18.01.2009 -Gabriella Lorenz

Rausch und Kater in der Küche

Zwei Mal gibt Anna Holter mit Andy-Warhol-Perücke aus dem Publikum Regieanweisungen: Schließlich leiht sich ihr neues Tanztheater

"Kitchen"

den Titel und die Situation von Andy Warhols Film, mit dem er 1965 das Model Edie Sedgwick zur Queen seiner New Yorker Silver-Factory machen wollte. Sechs Personen suchen in einer schäbigen Küche nach dem Kick der wilden Sixties, verlieren sich zwischen Ekstase und Apathie, Rausch und Kater, Liebessuche und Egozentrik. Holter choreografiert geschmeidige Spannung und dynamische Kontraste. Brilliant die Tänzer: Izabela Szostak als bekiffte Edie, Vivien Holm mit einem Hysterie-Solo an Kopfsalat. Greulix Schrank bringt Gläser und anderes zum Klingen, am Küchentisch führt Thomas Maucher hinreißend komisch das Pärchen Linda Samaraweerová und Darwin Diaz als Marionetten beim Kaffeekochen. Atmosphärisch und physisch ein starkes Tanztheater-Stück.

Fürther Nachrichten - 17.3.2008 - Marion Reinhardt

Bewegende Emotionen
Ausdrucksvolle Choreografien im Kulturforum Fürth

Für jeweils drei Tänzerinnen entwickelten die jungen Choreografen Anna Holter und Philip Bergman unter dem Titel "I have s secret" ihre jüngsten Arbeiten. Neben München, Hannover und Würzburg gehörte am Freitagabend auch das Kulturforum Fürth zu den Stationen...
...

Wesentlich ausgereifter


Da scheint das

"Thema 3"

von Anna Holter wesentlich ausgereifter. Sie lässt die drei Tänzerinnen eine Gruppe bilden die den Raum konkret definiert. Sie nehmen Blickkontakt auf, treten in Interaktion miteinander. In unterschiedlichen Haltungen erproben sie das Gleichgewicht und spielen in verschiedenen Variationen unterschiedliche Möglichkeiten durch.
Die fliessenden Bewegungen und sich wiederholende Variationen erzeugen eine tänzerische Ästetik. Gleichzeitig erzählt die schwedische Choreographin durch ihre Tänzerinnen eine Art von Geschichten. Ausgehend von dem Motiv, das Gleichgewicht zu finden, entfaltet sich ein Kräftemessen, das sich zu einem dynamischen Gerangel und Geschiebe weiterentwickelt - drei sind einer zu viel. Das Ganze mündet schliesslich in einer vergeblichen Kontaktaufnahme.
Die - wie zur Versöhnung ausgestreckte Hand - wird nicht ergriffen. Wie dieses Bewegungsmotiv immer wieder neu aufgegriffen wird und sich fast verselbständigt, hat - neben der ästhetischen Wirkung - auch einen gewissen Witz.

Süddeutsche Zeitung - 10.03.2008 - Florian Welle

Die gebürtige Schwedin Holter setzt sich in

"Thema 3"

mit der Zahl Drei auseinander, ihrer Spiritualität und Magie. Holter inszenieren ein Tanz aus Anziehung und Abstossung, Ein- und Ausschluss. Zwei verbünden sich, indem sie sich aneinander lehnen, mit den Armen, dann mit den Schultern, schliesslich dem Rücken. Die Dritte imitiert das Duo - und stürzt. Als sie mitspielen darf, bringt sie die beiden aus der Balance. Fulminenter Höhepunkt eines fesselnden Abends.


Münchener Merkur - 23.10.2006 - Malve Gradinger

Körpermotor
Anna Holters "Echo" im i-camp

Nachwuchstalent in Sicht: Als Tänzerin war die Schwedin Anna Holter gleich nach dem Abschluss an der Münchner Iwanson-Schule 1997 aufgefallen. Spätestens jetzt - nach einem Dutzend Stücken - macht sie mit

"Echo - from yesterday and tomorrow"

(i-camp) auch als ernstzunehmende Choreographin auf sich aufmerksam. Vier Tänzerinnen vorne an der Rampe. Holter, rechts außen, beginnt stockend und mit Umständlich-Erklärungen dekorierend ein Eigenbau-Dichtkunstwerk vorzulesen. Die andern drei, gelangweilt, glitschen und zitteraalen auf ihren Stühlen herum. Oh nein! Nicht schon wieder läppisch ironisch verquatschtes Tanztheater!

Furcht unbegründet. Gleich aktivieren die vier nun im Bühnenhintergrund ihren Körpermotor, malen in ihren engeren Luftraum je ganz individuelle Brüsseler-Spitze-Bewegungen. Wandern hintereinander auf einem Zickzack-Lichtpfad wie Kinder in einem Mondscheinmärchen. Sie fassen sich an den Händen und fallen, bei nicht mehr kontrollierbarer Zugspannung, auseinander zu Figurengruppen, von Reinhard Kopps Licht zu filigranen Skulpturen-Quartetten verzaubert. Auch Holters Kolleginnen warten, neben ihren markanten Tanzsolos, mit persönlichen Geschichten auf. Daraus soll, laut Programmbeitrag, ein kollektiver und tanzend zu erforschender Bewusstseinskosmos entstehen. Den Zuschauer braucht dieses Denkkonstrukt nicht zu kümmern. Aber Holter hat es ganz offensichtlich geholfen, ihren Raum und die Tanz-Echtzeit von 80 Minuten klar und in logischem Rhythmus zu strukturieren. Und da die vier über ihr lässig virtuoses Bewegungskönnen hinaus auch Persönlichkeitscharisma haben, geben ihre vorgetragenen kleinen "Echos von gestern und morgen" diesem letztlich abstrakten Stück irgendwie doch eine menschliche Wärme.


Süddeutsche Zeitung - 24.10.2006 - Silvia Stammen

Anna Holters "Echo" - Viel Spielraum

Erinnerungen und Wünsche sind die unsichtbaren Fäden, die ein Leben zusammenhalten, es zu einer im Bewusstsein gespiegelten Einheit mit Anfang und Ende machen. Was dazwischen passiert, ist Spiel und Bewegung, die gezielt oder absichtslos, aber stets unmittelbar einen Raum erzeugt, denn, so die Münchner Tänzerin und Choreografin Anna Holter: "Raum existiert nicht einfach so an sich, sondern öffnet sich konkret mit jedem Schritt, den man vorangeht."

"ECHO - from yesterday and tomorrow"

heißt Holters neue, 80-minutige Produktion im i-camp in der Entenbachstraße, die zugleich der letzte Teil ihrer mit

"Meeting oneself"

(2004) begonnenen und mit

"Involved"

(2005) fortgesetzten "Meeting"-Trilogie ist. Vier Tänzerinnen - Nadine Gerspacher, Linda Samaraweerová, Vivien Holm und Holter selbst - bilden zusammen so etwas wie eine multiple Einheit. Flexibel aufeinander bezogen, aber nie gleichgeschaltet, erfinden sie ihre eigenen, mitunter hübsch an den Haaren herbeigezogenen Geschichten. So wünscht sich Samaraweerová schon im Foyer vom Publikum Goldgeschenke zum Geburtstag, und auf der Bühne geht es dann weiter mit einem Echo aus der Vergangenheit, dem Lied "These foolish things", das irgendwann doch einmal auch Frank Sinatra gesungen hat. Anna Holter dagegen tut so, als wäre es ein Gedicht von ihr, liest und interpretiert es Zeile für Zeile und freut sich dabei über jeden Reim, während die anderen drei Damen vor gespielter Langeweile zunehmend in Zuckungen verfallen und wie hyperaktive Kinder auf den Stühlen hampeln, bis aus Verlegenheitsgesten allmählich Tanz wird.

Auch diesmal verwendet Holter eine vielschichtig offene Struktur und lässt ihren Tänzerinnen genügend Freiraum, um individuelle Bewegungen und skurrile Sprach-Improvisationen zu erfinden, bevor sie dann wieder als rebellische Girlie-Gang im Kollektiv zusammenfinden und sich gemeinsam auf einer vom Licht nach und nach in den Raum gestanzten Zick-Zack-Bahn voran tasten. Manchmal geht dabei das spielerische Ausprobieren ein wenig auf Kosten von Konzentration und Entschiedenheit. Weglassen gehört schließlich auch dazu auf dem Weg zum Wesentlichen. Doch um das noch zu lernen, ist es schon mal gut, so viel Spielraum im Kopf zu haben wie Anna Holter.

Abendzeitung - 23.10.2006 - Katja Werner

Echo von gestern und morgen
Die neue Tanzperformance der Choreografin Anna Holter im i-camp

"Es bestünde, sagt der Zettel, ein Zusammenhang zwischen Erinnerung und Raum." Dazu im i-camp

"Echo - from yesterday and tomorrow",

der 3. Teil der "Meeting"-Reihe Anna Holters. Der erste Raum, den wir mit dem vierköpfigem Frauenensemble betreten, ist eine Quasselbude. Fängt ja gut an, denkt man, als Anna selbst, sitzend, uns mit ihrem Gedicht zum Thema droht. Erinnert man sich doch an viele wohl meinenden Tanzkünstler, die sich nach Dienstschluss zur Lyrik berufen fühlen. Dann heißt aber das Gedicht "These Foolish Things", und wir entsinnen uns gleich manch' romantischen Abends, den dieser Klassiker versüßt hat. Ja, Erinnerung ist Konstruktion! Das hat sie mit der Choreografie gemein, Holters Hauptberuf. Die Schwedin zeigt wieder, dass sie einen soliden Bauplan abliefern kann. Der abwechslungsreiche Mix aus Soli, Trios und Quartetten besteht fast durchwegs aus attraktiven Tableaux; die Spannung hält, das Gleichgewicht , aus hell und dunkel, schnell und langsam, vorn, hinten, links, rechts auch. Elektronikrauschen ist passend platziert und bevor es nervt, lösen Frank Sinatra, Brian Ferry und Nat Cole es ab. Gar nicht nebenbei sind die Darstellerinnen selbst sehr ansehnlich.

Sehen Sie nur, wie interessant und wie eigen die vier werden, wenn sie sich auf die Bewegung konzentrieren! Dann werden aus plappernden Teenagern (die sie längst nicht mehr sind) mit pseudowichtigen Pubertätsreminiszenzen biegsame, sinnliche, starke Frauen. Anna Holter, Nadine Gerspacher, Linda Samaraweerová und Vivien Holm - Persönlichkeiten, an deren Raumgreifen man sich gern erinnert.


SZ Extra - 8.12.2005 - Katja Schneider

Ich und Du im leeren Raum

Nach der Begegnung mit dem eigenen Ich in

Meeting with Oneself

trifft das Individuum nun auf ein Du. Anna Holter setzt sich und ihre Mittänzer in einen Raum und forscht, wie sie miteinander umgehen. Sie zappeln, kicken, zittern und schütteln sich, schmelzen zu Boden und pendeln, wie irritiert von der Präsenz der anderen oder in Konfrontation mit ihnen. Für das Stück

Involved

das jetzt im I-camp Premiere hat, arbeitet die Schwedin wieder mit Helmut Ott, Nadine Gerspacher, Linda Samaraweerová und Franziska Unseld zusammen. "Anna Holter + Company" haben sich in der freien Szene Münchens ihren festen Platz erobert.


Abendzeitung - 10.12.2005 - Katja Werner

"Involved" im i-camp:
Wawuschels auf Speed

die Münchner Schwedin Holter hat ein unverkennbares Talent für die Form. Ihre Bilder sind attraktiv. Von den Gruppen-Tableaux für fünf bis zu den wilden Perücken und der Alltagskluft in achtsam gewählten Rot-, Beige- und Brauntönen. Von den kleinen Bewegungen bis zum Raumgefühl im i-camp. Dass sich eine so um den Gesamteindruck kümmert, ist schön zu sehen. Und Energie hat sie. Suchte sich ein paar quirlige Feger ihres Kalibers und - dann stieben sie los wie die Wawuschels auf Speed. Das sind die besten Momente: Wenn sie ihre falschen Mähnen schütteln, als wollten sie "Hair" aus dem Orkus zurück holen. Lasst locker, Leute!

Süddeutsche Zeitung - 10.12.2005 - Silvia Stammen

Involved
Selbsterforschung

Es beginnt wie auf einer öffentlichen Badewiese, wo jeder für sich, aber doch nicht ganz im Abseits sein will. Fünf Tänzer liegen auf dem Rücken im Raum verteilt, stehen auf, suchen sich einen neuen Platz, etwas weiter weg vom einen, etwas naher hin zum anderen und immer vom Publikum abgewandt, den Blick nach oben oder ins Dunkle der Bühne gerichtet. Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was passiert, wenn Menschen aufeinander treffen? Das sind so elementare Fragen, die die junge schwedische Choreographin Anna Holter, geboren 1976 in Stockholm und seit 1995 in München lebend und arbeitend, immer wieder umtreiben. Nach

Meeting with Oneself

erforscht ihr neues Stück

Involved

, das noch bis Sonntag im i-camp zu sehen ist, mit spielerischer Energie die dynamischen Prozesse von Anziehung und Abstoßung, Nähe und Eifersucht. Erst allmählich entwickelt sich aus der Vereinzelung eine Struktur, mal ein Paar, mal eine Diagonale; bevor die erste tänzerische Geste auftaucht, vergeht eine ganze Weile. Anna Holter lässt sich Zeit, bis sie Entscheidungen trifft, doch dann kommt plötzlich Schwung in die anfangs eher statische Situation. Mit ihren Verstrubbelten Perücken in Rot und Blond und in lässiger Clubwear wirken die fünf Tänzer, Nadine Gerspacher, Helmut Ott, Linda Samaraweerová, Franziska Unseld und Holter selbst, manchmal fast wie eine Schulhofgang, die sich mal cool, mal zärtlich, mal aggressiv wie bei einer Pausenrempelei aneinander abreagieren.
Einzelne ergreifen die Initiative, dirigieren die anderen in Positionen der Unterwerfung. Besonders im Mittelteil ergeben sich reizvolle Tableaus aus seltsam anmutenden Berührungen. Eine Hand umschließt ein Kinn, verdeckt die Augen oder zieht ungeduldig an einem fremden Arm.


Tanzkalender Jan - Feb 2006

Involved
Ein Stück von Anna Holter zum Mitfühlen und Genießen

Mit ihrem zweiten abendfüllenden Stück

Involved

gelang der in München lebenden schwedischen Choreografin Anna Holter eine ergreifende Analyse des menschlichen Zusammenlebens. Die choreografisch ins Szene gesetzten Begegnungen, Gefühlsmomente und Konflikte - von Nadine Gerspacher, Anna Holter, Helmut Ott, Franziska Unseld und Linda Samaraweerová überzeugend intensiv dargeboten - ließen dem Zuschauer keine Chance zur emotionalen Distanz. Get involved!


TZ - 12.12.05 - Verena Krebs

Anna Holters "Involved" im i-camp

Was passiert, wenn Menschen im freien Raum aufeinander treffen? Die 29-jährige Choreografin Anna Holter beschäftigt sich in ihrem Stück

Involved

mit der Anziehung und Abstoßung zwischen Individuen (i-camp). Fünf Tänzer in 60s-Outfits und mit Perücken auf dem Kopf, darunter auch Holter, winden sich in Zeitlupe um die eigene Achse und ringen sich gegenseitig zu Boden.


Süddeutsche Zeitung - 18.05.2005 - Katja Schneider

"Ikväll svenskt"
Tanz aus Schweden

"Transalpin" war letzte Woche, nun heißt es "Ikväll svenskt", heute Abend schwedisch also. Den Blick über den Zaun nach Norden hat Anna Holter zusammen mit dem i-camp und der Tanztendenz organisiert. Die in München lebende Schwedin zeigte ihr im letzten Jahr uraufgeführtes

"Meeting with Oneself",

das damals schon gut war und sich seither sogar noch steigern konnte. Es mag am neuen Raum liegen, der großen Tiefe, sich der gestrafften Dramaturgie verdanken und den absolut sicher und präzise agierenden Tänzern - klar ist; Diese "Begegnung mit einem selbst" hat hier zu sich selbst gefunden.
Nadine Gerspacher, Franziska Unseld, Helmut Ott und Holter selbst, unter dunklen Perücken und in erdfarbenen Unisex-Klamotten, kreieren eine konzentrierte, dichte Atmosphäre. Ihre individuellen, nuancenreichen Bewegungen fließen immer wieder geschickt zusammen, verläppern nie in zusammenhanglosen Einzelaktionen. Es geht um Zug und Zugzwang wie in dem Tassen-Spiel, das schon im Foyer beginnt und sich in Variationen durch das Stück zieht, Aktion und Reaktion, blitzschnelle Entscheidungen und ihre Folgen, das Abwägen von Alternativen. Anna Holter choreographiert die Tatsache, dass auch das Nicht-Entscheiden eine Entscheidung ist und Folgen zeitigt.


Süddeutsche Zeitung - 2002 - Peter M. Boenisch

Secret Solo
Körpertaumler

...Auf ein Intermezzo mit zwei Hochglanz-Tanzfilmen des am Nürnberger Opernhaus arbeitenden Brasilianers Carlos Cortizo, die sich mit ihren digitalen Effekten bestens als Arte-Pausentrailer empfehlen, folgt mit Anna Holters

"Inside out"

das Gegenteil. Runde, geschmeidige Bewegungen am Boden, deren Tempo und Dynamik sich langsam steigern - im blauen Licht tröpfelt buchstäblich fließend-flüssige Unterwasseratmosphäre. Das Konzept dabei ist klar: Vorn am Tisch der denkende Dichter, in dessen Kopf sich die Gedanken entschälen und allmählich tanzend ins Schwimmen geraten. Für Holter ist dies die erste Gruppenchoreografie nach ihren Soloarbeiten. An den Rändern zerläuft das Stück noch zuweilen in ein beliebig erscheinendes Nebeneinander. Doch beide Münchner Choreografinnen beweisen an diesem Abend ihren Aufbruch in neues Terrain, der auf künftige Entwicklungen und Experimente neugierig macht.


Go Magazin - 10/2002 - Annette Galler

"Ich wollte nie eine Prima Ballerina sein"
Die Tänzerin und Choreografin Anna Holter

"Alles war ein großes Fragezeichen. Ich wollte in dieses Fragezeichen hinein und wissen was da los ist", sagt Anna Holter mit ihrem schwedischen Akzent und lächelt. Gleich nach dem Abitur, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, kam die damals 18-jährige nach München und absolvierte auf der Iwanson-Schule ihre Tanzausbildung. Seit nun mehr sieben Jahren lebt und arbeitet die Schwedin in München...
...Anna Holters Choreografien entwickeln sich aus spontanen Ideen. Es sind Geschichten, die sie erzählen möchte. Über das Thema findet sie den Weg zur Bewegung, nicht umgekehrt. In philosophischer und psychologischer Literatur wie auch in der bildenden Kunst sucht sie nach Bausteinen, die ihre Ideen ergänzen und fortführen. ...
... der ganze Artikel von GO als .pdf



Süddeutsche Zeitung - 05.08.2002 - Katja Schneider

Tanzwerkstatt: "Dialog Projekt"
Konzentrierte Arbeit

... Zu sehen waren Ergebnisse eine 14-tägigen Zusammenarbeit zwischen dem slowenischen Künstler Iztok Kovac, Münchener choreographer in residence, und Eva Forler, Monica Gomis, Stephan Herwig, Anna Holter, Ludger Orlok und Andrea Sonnberger, eine "Work-in-Progress Präsentation" genannte Galerie von Miniaturen, Skizzen, Studien, und Bausteinen. Die von Walter Heun in Abstimmung mit der Stadt ausgewählten und für 14 Tage bezahlte Choreografinnen und Choreografen arbeiteten sich im i-camp nicht an einem von Kovac gestelltes Thema ab. Ziel war es, den eigenen Arbeitseinsatz selbst und im Austausch mit anderen zu reflektieren. Mal fremde Gewürze an den eigenen Bratensaft zu lassen. Kovac kann man sich dabei möglicherweise als Moderator und Katalysator vorstellen, dessen Tipps für Lichtdesign (Jaka Simenc) und Musik (Sebastiano Tramontana) Gold gewesen sein dürfen. ... Anna Holter bespielt fast den gesamten Innenraum, liess wechselnde Aktionen aufblizen, schuf Situationen irritierter Kommunikation...


Münchner Merkur - 18.02.2002 - Malve Gradinger

Blonde Nymphe
Anna Holters Tanz-Solo im I-camp

"Das Tanz-Solo ist vielleicht die schwierigste Form der Choreographie. Aber wer sich tanzschöpferisch ausprobieren will und keine Companie hat - dem bleibt kein anderer Weg: die schwedische WahlMünchenerin Anna Holter, als charismatische Tänzerin hierorts mehrmals aufgefallen, wagte einen zweiteiligen Soloabend (Münchener i-camp). Während Holter auf die hintere Leinwand zutanzt, entsteht die Illusion, dass der projizierte junge Mann mit ihr in emotionale Verbindung steht. Wenn er dann sein Handy zückt, scheint er mit ihr zu telefonieren. Anna Holter kann mit dem Mediun Video umgehen, mit Musik ( Rupert Huber ), mit Licht ( Karl Schlagenhaufer ). Sie hat Bewegungsfantasie und ein Gefühl für Phrasierung..."


Süddeutsche Zeitung - 16.02.2002 - Katja Schneider
"Seit ein paar Jahren tanzt die junge Schwedin Anna Holter in München: kraftvoll-athletisch und zugleich mit dem leichten Anhauch des Gefährdet-Seins, des Auf-der-Kippe-Stehens, der so attraktiv ist. So sah man sie in Stücken von Karen Effenberger, Manfred Kröll, Johanna Richter und - besonders eindrucksvoll - bei Mia Lawrence. So sieht man sie auch in ihren eigenen Choreographien, von denen sie jetzt zwei im i-camp präsentiert...."


Süddeutsche Zeitung - 14.02.2002 - Peter M. Boenisch

Kreisende Atome

Die Stockholmer Wahlmünchenerin Anna Holter vergleicht Choreographieren gern mit dem Lösen mathematischer Gleichungen. Als Inspiration für ihre Tanzsoli denen der jungen Schwedin wissenschaftliche und philosophische Texte. Kein Fall für Puristen also, eher für Freunde intermedialer Experimente: In ihren neuen Stücken

"IN-DIVIDUUM alias atomo"

und

"Preview; 1st time told"

bringt Holter Videos, Lichtdesign, Klubmusik und gar einen Dichter auf die Bühne. Und natürlich Tanz. Ihre Fragen: Was ist ein Individuum? Verhalten sich aufeinander treffende treffen Menschen wie Atome? Was bedeutet Wirklichkeiten?


Süddeutsche Zeitung - 15.05.2001 - Peter M. Boenisch

Der Körper als tanzende Skulptur
Die Schwedin Anna Holter wird zur Hoffnungsträgerin der Münchner Szene

Seit sechs Jahren lebt und tanzt die Stockholmerin Anna Holter in München. Mit ihren- Kurzchoreografien - zuletzt war

"Zooming"

in der Reihe "Secret Solos" im Theater und so fort zu sehen - ist sie dabei, sich als neue Hoffnungsträgerin der hiesigen Szene einen Namen zu machen. Im Rahmen des Festivals "tanz-metropol.e", das von heute an bis zum 23. Mai im Freimanner Metropol-Theater stattfindet, zeigt die 25-jährige Schwedin nun einen Querschnitt ihres jungen Schaffens (17. und 18. Mai, jeweils 20.30 Uhr). 1995 war Anna Holter aus Stockholm nach München gezogen, um an der Schule ihrer Landsfrau Jessica Iwanson ihre Tanzausbildung zu absolvieren. Dabei betont sie: "Ich wollte nie wirklich Tänzerin sein, so wie alle Mädchen eine Prima Ballerina sehen und sagen, das möchte ich auch können."
Sie begann als Elfjährige mit Jazzdance und trainierte sich erst recht spät klassische Tanzgrundlagen an. Bei Schulaufführungen fand sie Gefallen daran, auf der Bühne zu stehen und zu tanzen. "Nach dem Abi wollte ich dann einfach mal raus aus Schweden und ausprobieren, wie es so ist, beruflich zu tanzen." Noch während ihrer Profiausbildung an der Iwanson-Schule bekam sie einen Stückvertrag für "Weiße Ehe" am Residenztheater, sie trat als Musicaltänzerin in Österreich auf und tanzte schließlich in einem Stück des Münchners Manfred Kröll. Von da an ging es für sie immer mehr in die zeitgenössische Richtung - auch mit ihren ersten eigenen Choreografien, die von 1998 an entstanden, und von denen das Duo

"Barfüßige Engel"

als überarbeitete Wiederaufnahme ebenfalls noch einmal bei ihrem Abend innerhalb der "Tanzmetropol.e" zu sehen ist.
Während sich choreografische Debütanten oft allzu verkrampft auf Tanz und Körper konzentrieren, verstand es Anna Holter schnell, Bewegung, Requisiten, Licht und Musik zu klar konzeptionierten, stimmungsvoll emotionalen, aber stets unaufdringlich leichten Bildern zusammenzufügen. "Choreografieren ist wie eine Skulptur zu machen; Man bastelt hier, nimmt dort etwas weg und fügt es dort wieder an", sagt Anna Holter, die auch privat gerne malt. Ausgangspunkt ihrer Stücke sind nicht Bewegungsideen, sondern Themen, die die Tänzerin beschäftigen. So setzte sie sich in

"Zooming"

mit Sehen, Beobachten und Nicht-Sehen auseinander. Dazu vertiefte sie sich in psychologische und philosophische Literatur zum Thema: "Wenn mich etwas beschäftigt, habe ich Zeiten, da lese ich nur, da wird es dann sehr theoretisch. Aus diesen Eindrücken baue ich dann meine Geschichte, die ich aufschreibe. Da ist immer noch keine Bewegung - erst allmählich entstehen dann Bilder und Szenen in meinem Kopf."

"Zooming",

eigentlich für mehrere Tänzer geplant, wurde aus Geldmangel schließlich Holters erstes Solo, das sie für sich selbst choreografiert hat. "Man ist ganz alleine, muss sich alleine hinsetzen, alleine nachdenken, und dann bist du im Studio alleine im großen Raum und kritisierst dich alleine," schildert sie diese Erfahrung. "Davor habe ich gedacht, ich brauche noch mindestens zehn Jahre, bis ich das schaffen kann, aber am Ende war es total schön." Das nächste große Ziel wäre nun ein abendfüllendes Stück - doch Anna Holter gibt sich noch bescheiden und vorsichtig: "Solange es mich interessiert und ich merke, dass ich etwas zu erzählen habe, werde ich weiter darauf aufbauen", sagt sie über ihre Zukunft. Die muss sich nicht unbedingt in München abspielen, denn noch immer steht sie wie sie betont, "mit ein oder zwei Füßen in Stockholm".
Tanzend Geschichten erzählen: Anna Holter in "Zooming". Foto: Kimmel


Süddeutsche Zeitung - 02.03.2001 - Peter M. Boenisch

Spiel mit Licht und Schatten
Die Choreografin Anna Holter überzeugt im "Theater und sofort"

Das sah vielversprechend aus: Mit

"Zooming"

stellt sich Anna Holter im Theater und sofort als ideenreiche Choreografin vor. Zu Beginn kniet sie da vor einem Fernseher, nur Kopf und Rumpf bewegen sich. Später stakst sie mit Werwolf-Füßen über die Bühne - zwischen ihren Bewegungen plötzlich ein Lachen dann wieder kaum verständlich geflüsterte Worte. An der Bühnenwand und auf dem Boden kleben Zettel mit Buchstaben. Offen und vieldeutig bleibt das kurze Solostück, dessen Bilder und präzise gesetzte Bewegungsfolgen in der Bann ziehen. Souverän verfügt Anna Holter auch über die Bühnenmittel, vor allem die Musik und das Spiel aus Licht und Schatten. Nach diesem gelungenen Debüt scheint es, als habe die junge Tänzerin durchaus das Zeug, zum neuen Talent der Münchner Tanzszene zu werden. Die anderen Beiträge des Abends bleiben daneben nette Miniaturen. "Ein kurzer Abend der mit Anna Holter eine lohnende Entdeckung parat hat."